UMGEZOGEN!

Liebe Freunde,

da ich aufgrund des Erscheinens meines neuen Romans ohnehin meine Webseite anpassen musste, habe ich es gründlich getan und gleich auch meinen Blog (mitsamt allen Inhalten) dorthin verlegt. Ihr findet ihn unter dieser Adresse:

Ulfs Blog

Ich hoffe, euch dort wiederzutreffen. 

Liebe Grüße

Ulf

 

Kategorien:Schreiben

Wie können zwölf Autoren an einem Roman schreiben?

Letztes Jahr wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, an einem Gemeinschaftsprojekt für einen historischen Roman mitzuwirken.

Ein ungewöhnliches Angebot, das mich neugierig machte. Zumal die Grundlage des Projekts ein echtes, gerettetes Dokument aus dem unglücklichen Kölner Stadtarchiv darstellte, dessen Restaurierung durch Benefizlesungen der Autorenvereinigung Quo Vadis finanziert worden war. Lebendige Geschichte sozusagen.

Also war ich spontan einverstanden mitzumachen.

Ein bisschen vorschnell, denn nach einer Weile bekam ich doch Bedenken. Wie sollte es möglich sein, überhaupt ein kohärentes Plot zusammenzubekommen ohne endlose Diskussionen oder gar Streitereien? Und was wäre, wenn es am Ende vorne und hinten nicht zusammenpasste? Beim Film nennt man das “script continuity”, das heißt von Szene zu Szene muss die Tasse am richtigen Ort stehen, die Kravatte des Schauspielers gleich schief sitzen und er kann die Figur nicht plötzlich anders darstellen, nur weil er am zehnten Drehtag eine andere Idee hatte.

Aber was soll’s, ich hatte schließlich zugesagt.

Die Vierte ZeuginDoch was Alf Leue und Heike Koschyk, die beiden Herausgeber  und Mitautoren schließlich auf die Beine stellten, war schlicht grandios. Alles war minutiös vorgeplant, ein detailliertes Storyboard stand zur Verfügung, Hintergrundmaterial und Einiges mehr an Recherchen.

Das Konzept, um die besagten Probleme zu lösen, war einfach aber effektiv. Tanja Kinkel und Peter Prange waren für Prolog und Epilog zuständig, und die restlichen Autoren bekamen jeder  eine Figur zugeteilt, die sie im gemeinsamen Figurenplan zu entwerfen und aus deren Sicht sie jeweils zwei Kapitel der Geschichte zu erzählen hatten. Alf und Heike achteten mit Argusaugen, dass die Regeln eingehalten wurden und sich alles nahtlos ineinanderfügte.

Eine Riesenarbeit für die beiden, aber ich glaube, es hat sich gelohnt. Die unterschiedlichen Schreibstile stören keinesfalls, denn sie unterstreichen im Gegenteil die eigene Sichtweise und Eigenart der jeweiligen Figur. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wie sich jeder selbst überzeugen kann, denn der Roman ist inzwischen unter dem Titel “Die Vierte Zeugin” beim Aufbauverlag erschienen. Es gibt sogar eine Website (Die Vierte Zeugin). Und hier der Link zu Amazon.

Wahr spricht, wer mich unersättlich nennt …

Im Herbst kommt ein neues Buch von mir.

Arnaut und die Fürstin Ermengarda (aus “Die Comtessa”) entzweien sich, und Arnaut bricht zum unglücklichen Zweiten Kreuzzug auf, der in einem vollständigen Desaster endet. Das deutsche Heer wird vernichtet. Das fränkische gibt am Ende auf. Arnaut erlebt eine Menge schlimmer Dinge unterwegs, während Ermengarda auf ihn wartet, nicht wissend, ob er jemals heimkehren wird.

Zur Einstimmung für meine Leser eine kleine Szene mitten aus dem Buch. Ermengarda debattiert mit dem Troubadour Peire Rogier über Liebe und Dichtung. Rogier spielt auf Arnauts Abwesenheit an. Das Gedicht, das am Ende zitiert wird, ist sehr bekannt und stammt von Jaufré Rudel, eben aus dieser Zeit. Jaufré begab sich selbst auch auf diesen Kreuzzug und die “ferne Liebe”, die er im Kopf hatte, war Hodierna, die Gräfin von Tripolis.

Aber nun der Auszug:

„Sag mir Rogier, was ist die Liebe?“

Verwirrt blickte er mich aus dunklen Augen an, die immer ein wenig an feuchte Hundeaugen erinnerten. Eine Täuschung, denn mein guter Sängerfreund konnte ziemlich frech und respektlos sein, besonders in seinen Spottliedern. Man hörte auch gewisse Geschichten über ihn, von durchzechten Nächten in üblen Spelunken, vom Umgang mit zwielichtigen Gestalten und wüsten Weibern.

„Warum fragst du mich das, Midomna? Es weiß doch jeder, was Liebe ist.“

„Ich will es aber von dir hören, von einem Kenner sozusagen. Du hast dir einen gewissen Ruf erworben, mein Guter.“

„Seit wann achtest du auf dummes Geschwätz, Ermengarda? Ich bitte dich.“

Ich musste über sein besorgtes Gesicht lächeln. „Hast du vielleicht etwas zu verbergen?“

„Natürlich nicht“, schmollte er in gespielter Entrüstung. „Meine Seele liegt allein dir zu Füßen und du trampelst darauf herum.“

„Ach, Peire“, lachte ich. „Du bist unverbesserlich.“

Wir hatten einen müßigen Nachmittag am warmen Kamin verbracht, mit Liedern, unterhaltsamen Geschichten und auch ein wenig Klatsch und Tratsch, wie es sich so ergibt, wenn man in angenehmer Gesellschaft zusammensitzt und nichts Besseres zu tun hat. Raimon und andere Freunde bei Hofe hatten sich gerade verabschiedet und auch Domna Anhes war davongeeilt, um Anordnungen für das Abendmahl zu treffen, denn wir gaben einen Empfang für Würdenträger der Stadt. Peire Rogier und ich waren allein zurückgeblieben.

„Zweifelst du an meiner Aufrichtigkeit?“, fragte er.

Es war ein Spiel. Es gehörte zu seiner Rolle bei Hofe, dass er sich als schmachtender Bewunderer der Fürstin aufführte. Aber nach den vielen Liedern an diesem Nachmittag und dem schamlosen Geplapper über Wer mit Wem war ich nicht mehr dazu aufgelegt.

„Jetzt mal im Ernst“, sagte ich. „Einer wie du, der ungebunden ist, der sich vergnügt und alles nimmt, was sich ihm darbietet …“ Er machte eine entrüstete Handbewegung, als müsse er solche Anschuldigungen weit von sich weisen. „Leugne nicht, Peire“, sagte ich mit erhobenem Zeigefinger und gespieltem Zorn. „Mir ist so Einiges zu Ohren gekommen, was dich betrifft. Aber darum geht es mir gar nicht. Du lebst die Liebe in vollen Zügen, du denkst über sie nach und du verewigst sie in deinen Versen. Deshalb sag mir, was ist für dich die Liebe?“

„Was für eine Frage, mon Dieu“, sagte er, wieder versöhnt. „Mit der Antwort könnte man ein ganzes Buch füllen, dicker als die Bibel.“

„Nun zier dich nicht.“

„Eigentlich, das Wort selbst, amor, erklärt schon alles“, sagte er mit einem Augenzwinkern. „Es kommt von amus, was so viel wie fangen oder gefangen sein bedeutet. Der Liebende ist Gefangener in den Ketten seiner Begierde und wünscht nichts sehnlicher, als auch den anderen mit diesem Haken zu fangen.“

„Du bist ein Esel, Peire“, lachte ich. „Der Haken heißt hamus und nicht amus und hat mit der Liebe rein gar nichts zu tun.“

Er zuckte mit den Schultern und grinste.

„Nun gut. Dein Latein ist besser als meines. Aber du kannst nicht leugnen, dass die Schönheit des anderen Geschlechts uns dazu verführt, davon zu träumen, in den Armen des anderen zu liegen und all das zu tun, was uns die Liebe in diesem Fall gebietet. Dieses Begehren nach Erfüllung ist doch allen Menschen angeboren.“

„Wenn dem so ist, und das will ich gar nicht bestreiten, warum singt ihr trobadors dann nicht von der Glückseligkeit der Liebe? Stattdessen klagt und jammert ihr endlos über die versagte, die unerfüllte Liebe. Man sollte meinen, es gäbe nichts als Leid und Weh.“

„Ah“, sagte Rogier. „Nun hast du den wunden Punkt getroffen. Denn mit der Erfüllung entflieht die Liebe. Sie wird alltäglich, sie erhebt uns nicht mehr, lässt unser Herz nicht mehr erzittern. Die unerfüllte Liebe dagegen ist die höchste Form der Liebe, die fin d’amor, die hohe Minne. Sie währt bis in alle Ewigkeit.“

„Dichtergewäsch.“

Er warf mir einen gekränkten Blick zu.

„Dichtergewäsch? Nun, dass ich Poet bin, daran kann kein Zweifel sein. Glückliche Liebe bietet mir eben nichts. Die fatale, die verbotene oder die zerstörerische Liebe, das ist Stoff für Lieder. Die Gemüter rührt nicht das Glück, sondern la passió, das Leiden der Liebenden, das Begehren, der unerfüllbare Wahnsinn, mit dem sie geschlagen sind und alle Verstrickungen, die sich daraus ergeben.“

„Da ist was dran.“

„Du kennst die Geschichte von Tristan und Iseult?“

„Wer kennt sie nicht?“

„Eben, wer kennt sie nicht. Alle, die sie hören, sind davon ergriffen. Die Liebe, die nicht sein darf. Das Schwert zwischen den Liebenden. Der Fluch des Ehebruchs, der über ihnen hängt.“

„Aber sie nehmen sich doch ihre Liebe.“

„Vorübergehend. Sie kosten von diesem Apfel und werden, wie Adam und Eva, aus dem Paradies vertrieben. Und beim Versuch, alle Hindernisse zu überwinden, sterben sie. Der Tod als letzte Entsagung einer unseligen Leidenschaft.“

„Ja. Das ist sehr traurig.“

„Kannst du dir Iseult am Herd vorstellen, fett geworden und mit sechs Kindern am Rock, während sie Tristan den Brei kocht? So eine Geschichte würde niemand hören wollen.“

„Du bist ein Scheusal“, rief ich und warf mit einem Stück Gebäck nach ihm, das übriggeblieben war.

„Schau dich doch selbst an“, fuhr er ungerührt fort, nachdem er die Kuchenkrümel von seinem Wams gelesen hatte. „Du warst glücklich mit Arnaut, gewiss. Und seit er fort ist, geht es dir nicht gut, er fehlt dir schrecklich. Ich wette, du schläfst schlecht, du hast abgenommen, bist oft ungeduldig und launisch. Aber wenn jemand seinen Namen erwähnt, dann kommt so ein Glanz in deine Augen. Glaub nicht, dass man es nicht merkt. Du leidest, aber du hast ihn noch nie so geliebt wie jetzt.“

Betroffen starrte ich ihn an. Mein Herz hatte heftig zu schlagen begonnen, und ich merkte, wie mir die Röte in die Wangen stieg. Machte er sich lustig über mich? Doch er lächelte mich nur sanft mit seinen Hundeaugen an und sprach mit leiser Stimme:

Ver ditz qui m‘apella lechai

Ni deziron d’amor de lonh,

Car nulhs autres jois tant no’m plai

Cum jauzimens d’amor de lonh.

- – -

Wahr spricht, wer mich unersättlich nennt

dürstend nach ferner Liebe,

denn nichts erfüllt mich mehr als diese Lust

an Liebe aus der Ferne.

Seine weiche, rauchige Stimme und dann diese Worte.

Kein Wunder, dass mir die Tränen herunterliefen. Ja, verdammt. Die ferne Liebe. Ich wollte, ich könnte sie mir aus dem Herzen reißen.

„Ich muss mich umziehen“, brachte ich hervor und verließ fluchtartig den Saal.

“Dann gab es kein Halten mehr.”

Gelegentlich interessiert auf diesem Blog vielleicht die eine oder andere Rezension, die mir besonders aufgefallen ist. Mit freundlicher Erlaubnis der Rezensenten möchte ich sie hier zitieren.

Hier die Neueste über den Bastard von Tolosa:

Mein Jahreshighlight 2011,24. Januar 2012

Lange habe ich dieses Buch nicht richtig beachtet und mehr durch Zufall bin dann doch dazu gekommen es mal anzulesen. Dann gab es kein Halten mehr.
Lasst Euch nicht abschrecken davon, dass es 930 Seiten dick ist. Hier ist wirklich keine Seite zuviel. Keinen Satz möchte ich missen und ich war am Ende traurig, dass der Roman nicht noch weiter ging.
Man wird mit der ersten Zeile hineingesaugt in eine hervorragend erzählte, dicht gewebte Geschichte in der der Held Jaufré sich nach langen Jahren im Heiligen Land entschließt, wieder in die Heimat zurückzukehren und zu versuchen etwas Seelenfrieden und Ruhe zu finden von all dem Krieg und Blut in seinem Leben.
Es handelt sich also keineswegs um ein Buch nur über den Heiligen Krieg um Jerusalem und keine Angst vor zu vielen Schlachten und Kämpfen. Die gibt es natürlich auch aber nach dem ersten Teil nehmen sie stark ab und die Handlung wird dann geprägt vom abenteuerlichen Versuch Jaufrés seine Burg wieder in Besitz zu nehmen und seine familiären Bande zu entwirren und zu festigen.

Ich empfand die Sprache als sehr bildgewaltig und doch nicht aufdringlich, als einfühlsam, wo dies von Nöten und kühl genau, wo Grausames zu beschreiben war. Die Charactere der Personen waren farbig und voller menschlicher Facetten und erlangten Tiefe durch ihre Vielschichtigkeit und die lebhaften Dialoge. Hier gefielen mir auch die provencialischen Brocken, die den Leser erinnern, wo man sich befindet und die nicht jedes Mal wörtlich übersetzt werden mussten, um ihren Charme zu verbreiten.
Es ist ein Buch, das mit Sicherheit mehr Männern gefällt wie Frauen, da hier ein Mann die Hauptrolle spielt und es einige Tote zu verzeichnen gibt und Grausamkeiten geschehen, die zu Herzen gehen; vor allem, wenn sie liebgewonnene Figuren betreffen. Dennoch ist es eine Geschichte auch von der Liebe und den Verwirrungen der Gefühle, von Sehnsucht nach Heimat und dem Wunsch im sicheren Hort einer Familie zu leben. Mir war Jaufrè ein guter Freund und seine Erlebnisse haben mich eine Woche lang Tag und Nacht gefangen genommen und ließen mich einen dicken Schmöker an alle nur erdenklichen Orte mitschleppen, was sonst gar nicht meine Art ist.

Der Bastard endlich als Taschenbuch

Bisher gab es “Der Bastard von Tolosa” nur als Hardcover. So eine gebundene Ausgabe ist natürlich etwas Feines, besonders für den Autor, der nach langen Mühen endlich sein Werk in würdiger Form in den Händen hält.

Aber da ist leider auch der Preis. Deshalb ist ein HC  nicht für jedermann. Ich bin jetzt sehr froh, dass ab sofort endlich das Taschenbuch im Markt ist. Das ursprüngliche Cover-Design mit dem schönen Ring, das die gebundene Ausgabe ziert, ist beim Taschenbuch dem Stil der “Comtessa” angepasst worden. Es wirkt vielleicht ein wenig verspielt im Vergleich zum Ernst des Inhalts, ist aber grafisch ansprechend, finde ich.

Jetzt gibt es also den “Bastard” als Hardcover und Taschenbuch, als eBook und da ist ja auch noch die Weltbildausgabe. Die “Comtessa” gibt eals Hardcover und eBook. Im Frühjahr nächsten Jahres wird es davon ebenfalls eine Weltbildausgabe geben.

Kategorien:Schreiben

Wonach einem das Herz steht

Es wird dieser Tage viel über Steve Jobs geredet. Was er in den letzten Jahren für Apple geleistet hat, ist phänomenal. Ich habe ihn schon immer bewundert, besonders da ich beruflich auch aus dieser Welt der Computer Freaks und Software Revoluzzer komme. Ich hatte mir ja selbst den ersten kommerziellen Apple gekauft, es war 1982, ich erinnere mich gut. Mein Arbeitgeber hatte ich ursprünglich mit dem Argument zu überzeugen versucht, ich bräuchte das Ding, um bessere Vertriebsprognosen für mein Team zu erstellen. Fehlanzeige! Personal Computer? Ob ich denn behämmert wäre? Für so’n Spielkram hätten sie kein Geld.

Witzig, wenn man sich das heute vorstellt.

Der junge Steve Jobs

Natürlich hatten mich die Neugierde und der Spieltrieb gepackt, ich gebe es zu. Schließlich war ich mal Programmierer gewesen. Es war Winter, wir wohnten damals in Stockholm, und meine Frau war so wütend über diese unsinnige Geldausgabe, dass es mich ein gleich teures, edles Geschenk gekostet hat, um sie wieder zu beruhigen. Damals durfte man noch Pelz tragen, mehr sage ich nicht. Zwei Jahre später hat mein Arbeitgeber dann alle Büros mit Personal Computern ausgestattet. Irgendwann, Jahre später landete mein veralteter Apple II  auf dem Müll, aber ich war ein Steve Jobs Fan fürs Leben geworden.

Nun geht es ihm schlecht. Und das tut mir sehr leid. Besonders weil er irgendwie zu meiner Generation von Himmelstürmern in Turnschuhen gehört. Vor Studenten soll er einmal gesagt haben, die Lebenszeit sei begrenzt und man müsse das tun, wonach einem das Herz steht und den Mut dazu aufbringen. Denn nur, was man mit Liebe anpackt, macht man wirklich gut.

Ein bisschen fühle ich mich angesprochen, denn irgendwann vor sechs Jahren habe ich angefangen, Bücher zu schreiben. Erst zögerlich, dann mit immer mehr Energie und Freude. Phasen des Zweifels hat es dabei auch gegeben und Motivationsdurchhänger. Aber inzwischen kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, nicht zu schreiben. Gestern habe ich eine Mail von einem Leser erhalten, in der er mir mitteilt, er sei nach Jahren ein Lesemüder geworden. Aber nun hätte ich ihm sein Interesse und Glauben an gute Geschichten wieder erweckt.

Wie schön. Man werkelt also nicht ganz umsonst vor sich hin.

Und meinen iPad liebe ich auch. Danke Steve!

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Nachtrag zum Gemeinschaftsroman

Ich hatte vor kurzem berichtet, dass sich zwölf Autoren, darunter auch ich selbst, zusammengeschlossen haben,  um gemeinsam einen historischen Roman zu schreiben. Dazu möchte ich heute etwas korrigierend und ergänzend erwähnen, denn es hat sich jetzt herausgestellt, dass ich die Vorgehensweise etwas missverstanden hatte.

Da mir die ersten Kapitel zugefallen waren, und darin schon fast die meisten der Figuren vorkommen oder erwähnt werden, hatte ich fälschlicherweise angenommen, diese Figuren zumindest im Ansatz schon entwerfen zu müssen.

Tatsächlich ist es aber so, dass jeder Autor nur eine für ihn zentrale Figur hat, die er für sich selbst und für alle anderen ebenfalls gültig entworfen hat und aus deren Sicht er seine zwei Kapitel schreibt. Dadurch ergibt sich jeweils eine andere Beobachtersicht auf die Protagonistin wie auch auf weitere Figuren des Romans, möglicherweise auch eine ganz individuelle Interpretation der Fakten. Wie im echten Leben. Jeder sieht, was er sehen will, beziehungsweise zieht daraus seine eigenen Schlüsse.

Vor Beginn haben nun alle Autoren die Figurendatei erhalten, die von den einzelnen Mit-Autoren in Abstimmung erstellt wurde. Jeder hält sich also grundsätzlich an die Figurenbeschreibung des jeweiligen für eine gegebene Persona zuständigen Autors, hat allerdings die Freiheit, alles Geschehen aus dem ganz besonderen Blickwinkel seiner eigenen Figur zu betrachten, also aus der Personal- oder Beobachterperspektive. So wird sich auch Stück für Stück das Bild der Protagonistin durch die unterschiedlichen Betrachter peu à peu verdichten.

Ein interessantes Konzept. Ich bin schon sehr gespannt auf das Ergebnis.

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